Bericht der 2. RSM 2025

Durch diese schmale Düse müssen sie viermal kommen


"Durch diese schmale Gasse muss er kommen", heißt es im "Tell" bei Friedrich von Schiller. Aber was dachte sich Georg von Ratzeburg als er den Kurs für die zweite RSM am 13. Juni 2025 festlegte? Etwas ungläubig standen die Segler vor der Kreidetafel mit dem Kursverlauf. Auf den ersten Blick war er etwas unübersichtlicher als sonst. Dann wurde klar: "Durch diese schmale Düse müssen sie viermal kommen". Und noch etwas war anders als sonst: Über die Startlinie sollte es raumschots gehen. – "Au ha", mag der eine oder die andere gedacht haben. Denn diesmal wehte es durchaus mal mit 4 bft aus Südost. Was am Freitagabend ja eher selten vorkommt.



Das versprach hektisch zu werden, aber auch kurzweilig für die Zuschauer auf "Heinrich der Löwe".  Den Dampfer hatte der Seniorenbeirat der Stadt Ratzeburg nun schon im fünften Jahr als Regattabegleitung auf den See geschickt. An Bord, als Kommentator, wieder unser Frank, bekannt aus Oper und Operette, diesmal im Dienst für Opa und Omarette.

"Hektisch" ist ja auch mein zweiter Vorname. Meine Marieholm 26 "Lagom" war erst am Wochenende vorher ins Wasser gekommen. Ganz fertig war sie noch nicht. Zum Segeln hatte ich noch keine Zeit gefunden. Letzte wichtige Arbeiten fanden unmittelbar vor der RSM statt, als ich feststellte, dass ich meinem Mast einen hübschen Bogen verpasst hatte. Offenbar durch zu hohe Spannung des Unterwants. So krumm konnte der nicht bleiben. - Also wieder 'raus, ihr Splinte, macht euch gerade! 

In diesem Zustand, alles so knapp fertig, allzu hektisch, wollte ich eigentlich nicht unbedingt teilnehmen an der RSM. Wenigstens einmal ausprobieren hätte ich das Schiff vorher wollen und auch sollen. Aber Georg redete mir gut zu, trotzdem teilzunehmen. Erst zögerte ich noch, mir einen Mitsegler einzuladen. Als mein langjähriger Liegeplatznachbar Rainer dann aber direkt anfragte, ob er bei mir mitsegeln könne, habe ich nicht mehr kneifen mögen. Schnell noch den Grill für später aufbauen, Partnerlook mit Rainer herstellen, Rettungsweste anpassen und los. Ich bin noch nie mit Rainer gesegelt, hatte keine Ahnung, wie der funktioniert. Und keine Ahnung, ob das Schiff funktioniert. - Konnte eigentlich nur schief gehen!

Segel setzen – ging noch noch wie im Vorjahr. Nichts vertüdelte sich, keinen Rutscher vergessen – hurra! Zwei kleine Schläge auf dem Domsee. Das Schiff schwamm tatsächlich und musste jetzt langsam mal auf die richtige Seite der Startlinie. Schon hupte das Ankündigungssignal: noch 5 Minuten bis zum Start. Und dann sah ich Geronimo, unser neues Vereinsschiff, nun die zweite Marieholm 26 auf dem See. Exakt genauso schnell schien sie mir, als ich mich dahinterklemmte. Schon aber hieß es Fahrt 'rauszunehmen, damit uns der achterliche Wind nicht zu früh über die zum Glück recht lange Linie schieben würde. Ich wollte möglichst nicht ins Gedrängel und fand ein Loch, weit außen an der Startfahne. Wir waren wenige Sekunden nach dem Signal über der Linie. Ein glücklicher Start für uns. Aus den Augenwinkeln sah ich, dass die meisten der schnellen Segler dichter am Ufer ihr Glück gesucht hatten und sich dort aufreihten. Die "üblichen Verdächtigen" bald vorne weg.

Was wir nicht sahen und uns hinterher berichtet wurde: Dass irgendwo hinter uns ein Segler über Bord ging und eine durchaus schwierige Situation entstand. Schiffe mussten helfen oder ausweichen. Zum Glück war der DLRG mit einem Boot mit Bugklappe als Sicherungsboot dabei. So gelang es wohl den Überbord-Gegangenen schnell wieder herauszubekommen und seine führerlose Jolle konnte auch wieder eingefangen werden. Das ist wohl noch mal gut ausgegangen, wenn auch einige Boote dadurch verzögert starteten. Für Beobachter wurde jedenfalls Abwechslung geboten: Laser und "Dickschiffe", ein Trimaran, Ynglinge und mehrere Monas und viele Andere. Ein buntes Feld von 27 Booten war unterwegs. Das muss, erhöht vom Deck des "Heinrich", ein schönes Bild gewesen sein. Dazu Traumbedingungen: herrliche Sonne, warmer und frischer Wind. 


Das alles sahen wir nicht, denn wir waren mittendrin. Wir folgten dem Herdentrieb, als der Leithammel innen durch die Düse ging, und alle Schafe hinterher. - Obwohl doch der andere Gedanke nahe lag: Weniger Abdeckung hätte es bei südlichem Wind eigentlich im Norden der Engstelle geben müssen. Innen war wirklich ein Windschatten und entsprechend schob sich die schöne, bunte Ziehharmonika unterm Dom wieder zusammen. Wie alle, die gut gestartet waren, wollten wir hier auf die Anderen etwas warten.


Dieser Klumpen dümpelte zunächst Richtung Tonne 1 und blieb auch mit mehr Wind noch so eng zusammen, dass Berührungen drohten. Einige erfahrene Segler wichen aus, verzichteten sogar auf ihr gutes Wegerecht und bekamen am Ende zumindest eine mündliche Anerkennung für Ihr mehr als faires Verhalten. Das war so gerade eben ohne größere Blessuren gut gegangen.


Danach zog sich das Feld nun aber auseinander. Mit raumem Wind nach Tonne 2, da waren wir noch gut dabei. Zwar waren die bekannt Schnelleren und Besseren vor uns, aber von den technisch bedingt weniger schnellen Schiffen lagen wir noch ganz gut. Und das blieb so; auch nach der zweiten Düsen-Passage. Natürlich ärgerte ich mich über meine kleinen Fehler. Irgendwie schaffte ich es wieder nicht so ganz, konstant konzentriert zu sein, komme immer mal ins Träumen beim Segeln. Fritz und Anja habe ich unser Boot durch spätes Ausweichen wohl etwas in den Weg gestellt. Aber ganz so viele weitere Fehler haben wir dann wohl auch nicht gemacht.

Also am Ende der fünfte Platz. Auf den Plätzen vor uns: richtig gute Segler, deren Erfahrungsvorsprung ich kaum mehr aufholen werde. Aber ich weiß auch, dass einige Gute gar nicht dabei waren, Andere einfach Pech hatten an diesem Tag. Das direkte Duell mit Geronimo muss also warten. Daher werte ich unseren relativen Erfolg bei dieser Spaß-Regatta nicht zu hoch und freue ich mich, dass alles fest geblieben ist, dass die allererste Ausfahrt mit meinem Schiff und meine erste RSM seit Herbst 2023 gleich ganz gut geklappt haben.

Das lag auch an Rainer, der wach und offenbar erfahren und ruhig immer da eine Hand hatte, wo sie gerade gebraucht wurde. Er machte einfach das, was ich gerade nicht machte, korrigierte auch mal oder machte die richtigen Vorschläge. Das klappte richtig gut mit uns. Alles sehr unaufgeregt. Noch einen Hektiker hätten wir auf dem Schiff aber auch nicht gebrauchen können.

Hinterher wurde gegrillt. Richtig viele leckere Salat waren gespendet worden, viele von den Eltern der Jugendsegler. Super Organisation am und um den Grill! Das war ein schöner, endlich lauer Sommerabend am See und es war richtig Leben auf dem Vereinsgelände. Großer Dank an Georg, Gisela und an Katrins Jugendtruppe! Und Dank an die vielen Helfer, besonders auf den Sicherungsbooten. Sogar nicht beteiligten Mitglieder des "Monas-Wanderzirkus" halfen kräftig mit – echter Sportsgeist!

Und das Beste kommt noch: Langfahrt-RSM 3 mit Sommerfest und richtig guter Livemusik am 12.07.25. - Macht euch als Erinnerung schon mal einen Knoten in die Schot!

Ralf Eulig






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